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Die Bahn verklagt den Kartenfuchs: Geschichte wiederholt sich nicht – oder doch?

by DeinBus.de-Team on April 19th, 2011

Es war Anfang November letzten Jahres, da war bei uns der Bär los: Die Deutsche Bahn hatte uns gerade verklagt und erste große Medien berichteten über den ungleichen Kampf. Ihr könnte euch vorstellen, was da los war: Das Telefon klingelte Sturm, tausende von Emails gingen in wenigen Tagen ein, viele Menschen hatten Fragen oder  boten Hilfe an und wollten natürlich mehr über uns erfahren. Zu all diesem Stress kamen die großen Sorgen, ob unser kleines Unternehmen den Gerichtsprozess überlebt und ob die Idee von DeinBus.de weiter besteht. Alles in allem: Wir haben ganz schön zu kämpfen gehabt.

Es war eine extrem aufregende Zeit, eine Mischung aus positiver Überwältigung über die zahlreichen Unterstützer und einer bedrückenden Stimmung im Angesicht einer Klage des  zweitgrößten Transportunternehmens der Welt.

Und auf einmal kam dann ein Anruf, wie aus dem Nichts, der machte uns Hoffnung. Am anderen Ende der Leitung war Sven Koschik. Er erzählte uns seine Geschichte, die uns vorkam, als würde sich Geschichte wiederholen: Auch Sven hatte im Internet eine Plattform aufgebaut, um allen Menschen günstiges reisen zu ermöglichen. Auf www.kartenfuchs.de finden sich Leute zusammen, um Reisegruppen zu bilden und die Bahn günstiger zu nutzen, indem sie Gruppenermäßigungen benutzen können. Wir sind die Busmitfahrzentrale, das war die Bahnmitfahrzentrale – das kam uns also alles schon sehr bekannt vor. Aber dann kam der Hammer: Auch Sven wurde damals, fast auf den Tag genau 10 Jahre vor uns, von der Deutschen Bahn vor Gericht verklagt!

Die Parallelen sind unglaublich. Auch Sven startete – wie wir – eine Unterschriftenaktion, auch er sammelte – wie wir – Spenden um die Prozesskosten zu decken. Und weitere Ähnlichkeiten: Die erste Verhandlung des Bahn gegen Kartenfuchs? Am Freitag den 17. November 2000 vor dem Landgericht Frankfurt am Main in der Gerichtsstraße 2. Die erste Verhandlung der Bahn gegen DeinBus.de? Am 19. November 2010 vor dem Landgericht Frankfurt am Main in der Gerichtsstraße 2. Und auch die Argumente der Bahn sind damals wie heute fast gleich. „Grundsätzlich habe man nichts gegen Gruppenreisende“, erklärte damals eine Sprecherin. „Grundsätzlich habe man auch nichts gegen DeinBus.de“, erklärten auch bei uns die Bahn-Sprecher.

Die „Beeinträchtigung ihrer geschäftlichen Interessen“ und die „direkte Nutzung der Bahnfahrpläne“ wurden dem Kartenfuchs vorgeworfen. Das reichte sogar für zwei Klagen. Und das tolle: Sven trug in den wesentlichen Punkten den Sieg davon! Bis heute betreibt er die Seite, hat bei dem Bahnprozess gegen uns gleich an seine eigene Geschichte gedacht, uns angerufen und ermutigt. Er erzählte, dass auch er Emails bis nachts um zwei beantwortete und über Monate nicht schlafen konnte. Und dann sagte er diesen entscheidenden Satz: „Aber es hat sich gelohnt, zu kämpfen. Es war anstrengend. Aber ich würde es immer wieder tun!“.

Wenn nun morgen die Urteilsverkündung stattfindet, dann werden wir jedenfalls auch an den Kartenfuchs denken und an den großen Jäger Deutsche Bahn, dem er vor 10 Jahren entwischt ist. Auf dass es uns genauso geht!

From → Allgemein

3 Comments
  1. Ich hoffe, ihr berichtet morgen über den Ausgang??

  2. Lange vor dem Kartenfuchs waren die Mitfahrzentralen dran: Anfang der 1960er Jahre wurde sie von der damaligen Bundesbahn drei Jahre lang mit Klagen überzogen. Erst das Bundesverfassungsgericht machte dem Spuk ein Ende.

    Siehe: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46173995.html

  3. Der Ausgang würde mich auch brennend interessieren! Die Bahn hätte niemals Privatisiert werden dürfen, unglaublich, was da passiert.

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